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Ungarn Veröffentlicht 1998 im DULV-Info |
Mehr und mehr fliegen die Ultraleichten nicht nur im Umkreis des Heimatflugplatzes, sondern überschreiten die Landesgrenzen. Eine Serie über die Flugmöglichkeiten in unseren Nachbarländern soll dafür Tips geben. In dieser Folge geht es um Ungarn.
Abendstimmung
am Flugplatz Siofok

Zur Einführung wieder ein kurzer Reisebericht.
Überlandflüge müssen in Ungarn mit ständiger Hörbereitschaft auf der Frequenz von Budapest Information durchgeführte werden. Harry und ich fliegen mit zwei Enduros von Siofok am Balaton nach Szeged nahe der Rumänischen Grenze. Wie üblich haben wir uns als Formation angemeldet, ich mach den Funk.
Die Verständigung mit Budapest ist gut. Die Positionsangaben sind trotzdem fürchterlich, denn ungarische Ortsnamen sind vielfach unaussprechlich. Harmashatarhegy, Kiskunfelegyhaz und Szekesfehervar sind noch harmlos, Hodmezövasarhely ist einer der Höhepunkte.
Als der Lotse verlangt "Delta-Sierra-Bravo please next report Dunai" (nächste Meldung bitte in Dunai) bin ich richtig happy. Endlich ein Ortsname, den ich aussprechen kann.
Dunai finde ich weder auf der Vorderseite noch auf der Rückseite der aufgeschlagenen Karte, deshalb blättere ich die im Format A 4 gefaltete ICAO-Karte um. Das schreibt sich zwar recht harmlos, ist aber im offenen UL keineswegs einfach. Die Leser, die das nicht verstehen, sollten mal versuchen, auf einem fahrenden Motorrad eine Landkarte umzublättern. Bei 80 km/h ist das Format DIN A 3 ganz und gar unhandlich.
Der "Tower" von
Siofok
Auch auf den jetzt sichtbaren
Seiten ist leider auch kein Dunai. Mit dem Finger suche ich
Quadratzentimeter für Quadratzentimeter ab und finde alles
denkbare, Nagykanizsa und Nyiregyhaza, Goedoelloe und Gyoengyoes,
aber kein Dunai. Anscheinend liegt der Ort weiter nördlich. Um
dort nachzusuchen muß ich die Karte allerdings doppelt
aufblättern, das wird übel.
Verglichen mit dem Format A 2 ist DIN A 3 harmlos. Ich überlasse mein Fluggerät seinem Schicksal und versuche die Karte mit beiden Händen, den Zähnen und den zusammengepreßten Knien zu bändigen. Mein Enduro wehrt sich tapfer gegen die kräftige Thermik, nach einiger Zeit verläßt es trotzdem den geraden Weg der Tugend. Wie bei jedem richtig gebauten UL üblich ergibt die Kurvenlage selbsttätig eine höhere Fluggeschwindigkeit, was die Auseinandersetzung mit dem widerborstigen Papierfetzen keineswegs erleichtert.
Zu allem Überfluß meldet sich auch wieder die Ursache des ganzen Schlamassels. "Delta - Sierra - Bravo - can You read me? - Please report Dunai" (Delta - Sierra - Bravo - verstehen Sie mich? - bitte melden Sie Dunai). Tut mir leid, aber der muß jetzt erst mal warten. Der Kampf gegen ICAO strebt seinem Höhepunkt entgegen. Die Flugbahn des inzwischen seit Minuten herrenlosen Trikes erinnert an die Form einer Wendeltreppe.
Nach einiger Zeit und einem ordentlichen Höhenverlust ist die Karte zwar weitgehend zerfetzt, aber halbwegs unter Kontrolle. Brav folgt das Enduro einer kurzen Korrektur und nimmt wieder eine gesittete Fluglage ein. Ich beruhige den Lotsen "Delta - Sierra - Bravo - just a moment please, I have a problem with my chart" (Einen Moment bitte, ich habe Ärger mit meiner Karte).
Nur - Dunai ist abermals nicht zu finden. Ich suche die Karte wieder Zentimeter für Zentimeter ab - kein Dunai. Weiß der Henker wo das Drecksnest liegt. Kann sein, daß ich mit meinen Geographiekenntnissen bei der Flugsicherung blamiere, aber ich hab die Sucherei satt. "Delta - Sierra - Bravo - sorry - I can not find the city Dunai in my chart. My actual position is ten miles west of the Dunja ..... " (Tut mir leid, ich kann in der Karte den Ort Dunai nicht finden. Meine derzeitige Position ist 10 Meilen westlich der Donau ....).
Salzablagerungen im Überschwemmungsgebietder "Dunja"
Ich hab das Wort "dunja"
(Donau) noch nicht ganz ausgesprochen, da geht mir ein Licht,
nein, ein ganzer Kronleuchter auf. Das lang gesuchte Dunai ist
kein Ort, sondern Dunja, die Donau. Die Flugsicherung hat sich
vermutlich halb tot gelacht.
Land und Leute
Ungarn hat vier charakteristische Regionen, die kleine Tiefebene im Nordwesten, die große Tiefebene im Südosten, das ungarische Mittelgebirge im Norden und das transdanubische Hügelland südlich von Budapest.
Die Tiefebenen sind (abgesehen von den beiden Flüssen Donau und Theiß) aus dem UL eintönig. Das Land ist flach, voll mit grenzenlos weiten Feldern. Viel abwechslungsreicher verläuft ein Flug über das ungarische Mittelgebirge oder das transdanubischen Hügelland.
Aus dem UL sehenswert (und
unumgänglich, siehe Grenzübertritt) ist der Balaton, der
größte See Mitteleuropas. Schade, daß das Ufer überwiegend
verbaut ist. In den Sommermonaten ist die Gegend total
überlaufen.
Ein muß für jeden Ungarnbesucher ist Budapest. Die Stadt ist großartig. Fast ebenso attraktiv sind die vielen kleinen Städtchen wie zum Beispiel Szeged, Debrecen, Pecs, Kecskemet oder Eger.
Ihre besondere Zivilcourage
bewiesen die Ungarn wieder einmal 1989. Im Mai begannen
ungarische Soldaten mit dem Abbau der Grenzanlagen zu
Österreich. Im September setzte die Ungarische Regierung das
Reiseabkommen mit der DDR außer Kraft 20.000 Ostdeutsche
flüchteten in den beiden folgenden Wochen nach Westen. Im
Oktober löste sich die ungarische KP selbst auf. Nicht die
hochgerüsteten Westmächte, sondern die Magyaren (so nennen sich
die Ungarn selbst) waren die auslösende Kraft für die
"Wende" in ganz Europa.
Am Flugplatz von Szeged
Küche, Keller, Kammer
Wer in Ungarn ins Mac Donnalds geht ist selber schuld.
Nicht nur in Budapest, sondern Im ganzen Land, gibt es exzellente Lokale. "Borstenvieh und Schweinespeck", Entenleberpastete, Bohnensuppe mit Räucherwurst, die ungarischen Paprikaschoten, hervorragende Fischgerichte, die Salami, Geflügel, Gundel-Palatschinken, Scegediner Gulasch, Nußstrudel - schon beim Aufzählen läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Alles ist deftig, fett kalorienreich, sicher nichts für Magenkranke, aber es schmeckt hervorragend. Zudem sind die Preise minimal.
Das phantastische Essen wird fast
noch übertroffen vom ungarischen Wein. Der vielbesungene
"König der Weine", der Tokayer, ist zwar nicht
jedermanns Geschmack, aber auch die Freunde trockener Weiß- oder
Rotweine finden eine große Auswahl.
Obwohl die ungarischen Biere ausgezeichnet sind setzen sich mehr und mehr ausländische Sorten durch. Häufig werden tschechische Marken angeboten. Wer es gerne etwas härter mag sollte den Barackpalinka, einen Aprikosenschnaps, versuchen.
Immer wieder stolpert man über Lokale, die als Geheimtip in den Reisenotizen aufgenommen werden müssen, die rote Postkutsche zum Beispiel (Budapest), Pest Buda (Budapest, am Burgberg) oder das Kikelet-Hotel nahe Pec, wo wir zu zweit für eine 3-Stunden-Schlemmerei ganze 20,- DM bezahlt haben. Auch nostalgische Jugendstilcafes mit hervorragenden Backwaren sind überall zu finden.
Nur die für den Tourismus zurechtgemachten "typisch ungarischen Csardaslokale" sollten gemieden werden. Am jämmerlich fiedelnden Pseudo-Zigeuner sind sie leicht zu erkennen.
Aus der
K&K-Zeit hat Ungarn viele sehenswerte
Schlösser, wie hier in der Nähe des Balaton

Die Übernachtungskosten unterscheiden sich stark zwischen Budapest und dem übrigen Land. In Budapest sind für ein Hotel-Einzelzimmer mit Dusche und Frühstück mindestens 70.- DM fällig, in den anderen Städten kosten die vergleichbare Übernachtung ca. 40,- DM.
Für Privatzimmer sind in Budapest etwa 30,- DM pro Person üblich, Zimmervermittlungen sind in jedem der 3 großen Bahnhöfe. Privatzimmer im übrigen Ungarn sind bereits ab etwa 15,- DM pro Person zu bekommen. Die Übernachtung im Zelt ist an allen kleineren Flugplätzen problemlos.
Flugplätze und fliegerische Besonderheiten
Überlandflüge sind in Ungarn mit ständigem Funkkontakt zu Budapest Information durchzuführen.
Bei meinen letzten Flug habe ich entdeckt daß sich die ständige Fragerei "Please give me Your position (Bitte geben Sie mir Ihre Position)" auf ein Minimum einschränken läßt, wenn anstelle der normalen Positionsangabe die Koordinaten aus dem GPS durchgegeben werden. Vermutlich beruhigt den Lotsen die Information, daß mit GPS geflogen wird. Es kann aber auch sein, daß es ihm nur zu umständlich ist, die durchgegebene Position jedesmal auf der Karte herauszusuchen. Auf jeden Fall war bei uns die Fragerei schlagartig vorbei.
Unabhängig von den Angaben im Bottlang waren alle von mir angeflogenen Plätze für UL offen. Die Hilfsbereitschaft der Flieger ist auffallend.
ICAO-Karten, Anflugkarten, Grenzübertritt
Die ICAO-Karte Ungarn kostet etwa DM 23,-. Als Anflugkarten empfiehlt sich das Bottlang-Tripkit, es enthält Tschechien, die Slowakei und Ungarn und kostet ca. DM 60,-.
In Ungarn gibt es nur sehr wenige Flugplätze mit Zollabfertigung. Für den Einflug mit dem UL aus westlicher Richtung ist Siofok am Balaton fast der einzige anfliegbare Platz. Die anderen Plätze haben den Zoll nur nach Voranmeldung, teilweise ist eine Anmeldung mehrere Tage im voraus erforderlich.
Wir haben versucht, über Szeged
nach Rumänien auszufliegen. Grundsätzlich wäre dies möglich,
aber wir hätten in Szeged mindestens 3 Tage auf den Zoll warten
müssen.
Abgesehen von Siofok ist es in jedem Fall zweckmäßig, nicht nur die Voranmeldung zu machen, sondern auch die Preise für die Zollabfertigung anzufragen. Uns sind Gerüchte zu Ohren gekommen, daß an einigen Plätzen unsinnig hohe Zollgebühren verlangt werden.
In Siofok ist der Zoll im Sommer ohne Voranmeldung möglich. Der Platz ist aus der Gegend von Wien ideal zu erreichen (Zollplätze in Österreich z.B. Bad Vöslau, ständig Zoll, oder Punitz, ebenfalls ständig Zoll). Bei Flügen von Bad Vöslau verlangt die ungarische Flugsicherung einen Umweg von etwa 80 km nach Süden, weil auf der direkten Route große Militärgebiete liegen.
Neuerdings kann Siofok auch aus Slowenien angeflogen werden. Als Zollplatz bietet sich dabei Maribor an.
Aus der Slowakei und aus Tschechien ist Siofok ebenfalls gut erreichbar. Wir haben in Tschechien Zoll in Zlin-Holesov mit einem Tag Voranmeldung erhalten.
Der einzige Nachteil an Siofok sind die fehlenden Hangarplätze. Bei längeren Schlechtwetterperioden können die Fluggeräte nur untergestellt werden, wenn sie abgebaut sind. Die Geräte sollten nicht unbeaufsichtigt am Platz bleiben, denn der Flugplatz ist für jedermann frei zugänglich.
Statistik
| Offizielle Bezeichnung | Magyar Koztarsasag |
| Fläche in 1000 km² (357) | 93 |
| Hauptstadt | Budapest |
| Währung | 1 Forint = 100 Filler |
| Bevölkerung in Millionen (82) | 10,2 |
| Einwohner pro km² (229) | 110 |
| Ethnische Gruppen | 90 % Ungarn |
| 4 % Zigeuner | |
| 3 % Deutsche | |
| Sprache | Ungarisch |
| Bruttosozialprodukt pro Einw. (20.400 $) | 7.500 $ |
| Inflationsrate (1996 1,4 %) | 20 % (1996) |
| Flugplätze ohne UL-Plätze (613*)) | 66 |
| Flugplätze pro 10000 km² (17,2*)) | 8,3 |
| Daten
in Klammer = Deutschland Zahlen weitgehend neu (von 1997), daher sind die deutschen Vergleichzahlen unterschiedlich zu den Angaben in den letzten Infos. |
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| *) von diesen Plätze ist nur ein Teil für UL anfliegbar | |