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Tschechien
und Veröffentlicht 1998 im DULV-Info |
Mehr und mehr fliegen die Ultraleichten
nicht nur im Umkreis des Heimatflugplatzes, sondern
überschreiten die Landesgrenzen. Eine Serie über die
Flugmöglichkeiten in unseren Nachbarländern soll dafür Tips
geben. In dieser Folge geht es um Tschechien und die Slowakei.
Jo Konrad meint, Reiseberichte kommen immer gut an. Beginnen wir die Information über das Fliegen in unseren Nachbarländern deshalb mit einem Reiseerlebnis.
Wir kamen von Ungarn. Von Siofok am Balaton flogen wir mit zwei Enduros transit über die Slowakei nach Zlin in der Tschechischen Republik. Die ungarische Flugsicherung verabschiedete sich an der Grenze mit "Please contact Bratislava Information immediately." (Bitte nehmen Sie unverzüglich Funkverbindung mit Bratislava auf).
Pflichtschuldig meldeten wir uns bei Bratislava. Die Antwort kam prompt. "Delta - schnurr - pfeiff - unreadable - quitsch - brumm - fifteen minutes" (Sie sind unverständlich - versuchen Sie in 15 Minuten Kontakt). Eine Viertelstunde später klappt die Verbindung. Die CTR Piestany ist inzwischen bedenklich nahe. Um den Lotsen zu beruhigen ergänze ich die Meldung "We don't touch the CTR Piestany" (Wir berühren die CTR Piestany nicht).
Die Antwort haut mich von den Socken. "Oh no, certainly I have cleared You for the CTR. I repeat - You are cleared for Piestany" (Selbstverständlich haben Sie eine Freigabe für die CTR, ich wiederhole, Sie haben eine Freigabe für Piestany).
Noch nie habe ich erlebt, daß ein Lotse von sich aus, ohne jede Anfrage, eine Freigabe erteilt - noch dazu, wenn vorher der Funk unverständlich war und wenn es nur darum geht, einem Fetzenflieger einen kleinen Umweg zu ersparen.
Das Erlebnis ist typisch für die Slowakei und die Tschechische Republik. Hier kämpfen die UL's nicht um die Anerkennung als gleichberechtigte Partner im Luftraum, hier sind sie gleichberechtigte Partner. Kein Mensch fragt "was fliegst Du?", die Frage lautet "wie fliegst Du".
Flugplätze und fliegerische Besonderheiten
Der deutsche Michl hat, gründlich und gewissenhaft, für die Ultraleichten eine eigene Luftfahrzeug-Kategorie erfunden. Die Österreicher haben die UL-Fliegerei in einer Art verspäteter Generalamnestie eingeführt. Die italienische Bürokratie ist mit der Eingliederung der UL's noch mindestens 100 weitere Jahre überfordert.
Der brave Soldat Schwejk dagegen
hat die Ultraleichten einfach und pragmatisch integriert. Das
Ding hat 3 Räder wie ein Flugzeug, es fliegt wie ein Flugzeug,
es kann runterfallen wie ein Flugzeug - das Ding ist ein
Flugzeug. Wenn es ein Flugzeug ist - warum sollte es dann nicht
auf einem Flugplatz landen?
Es hat lange gedauert, bis ich diese Denkweise begriffen habe. Die telefonische Anfrage an einem tschechischen Platz, ob ich dort landen könne, ist für den Flugleiter unverständlich. "Können Sie fliegen?" - "Ja" - "Warum fragen Sie dann ausgerechnet mich, ob Sie landen können?" Auf die absurde Idee, daß ohne jeden technischen Grund bestimmte Flugzeuge auf bestimmten Flugplätzen nicht starten und landen dürfen, kommt der Mann nicht.
Trotzdem ist der Anruf am Zielplatz zweckmäßig, denn zuweilen sind die Plätze auch am Wochenende nicht besetzt und viele Flugleiter sprechen nur wenige Worte Englisch.
Überfordere den Zielplatz deshalb auch nicht mit einer perfekten Anflugmeldung. "Dellta-Mike-Xray-Sierra-Bravo, Ultralight Enduro, VFR from Griesau in Germany, position one-six nautical miles south of Your place in three-thousand feet, request landing information and custom" wird zuweilen mit "klick" beantwortet. Das war dann der Schalter, mit dem der Flugleiter den Funk ausschaltet.
Besser ist eine Art Minimal-Englisch "Dellta-Mike-Xray-Sierra-Bravo landing one-nine o.K?". Wenn dann zurückkommt "No, runway zero-jeden" kannst Du Dir an den Fingern abzählen, daß er Dich auf der 01 haben will.
In der Slowakei ist ständiger Funkkontakt mit der Flugsicherung zu halten. Zuweilen nervt die ständige Fragerei "Delta-Sierra-Bravo - Your position please".
Reine UL-Plätze habe ich nur wenige gefunden. Wozu auch? Die vielen kleine Flugplätze sind für UL's offen und bieten eine ideale Infrastruktur.
Benzin gibt es in 3
Qualitätsstufen: "Nur für tschechische Flugzeuge" mit
73 Oktan, Normalbenzin bleifrei (sogenanntes "Natural")
und LL 100. Soweit möglich tanke ich Natural, der Liter kostet
etwa 1,10 DM.
Die Landegebühren sind etwa die Hälfte wie bei uns (ausgenommen die großen internationalen Airports, die sind teilweise teuer). Auch die Kosten für einen Hangarplatz sind etwa halb so hoch.
Land und Leute
Prag ist eine der schönsten Städte Europas. Mit dem Flugplatz Praha Letnany hat die "golden Stadt" zudem einen für UL anfliegbaren Platz im Nahverkehrsbereich. Bratislava (Preßburg), die Hauptstadt der Slowakei, erreicht nicht die Attraktivität von Prag, ist dafür aber auch nicht so überlaufen.
Das Duo Tschechien und Slowakei besteht jedoch nicht nur aus den beiden Hauptstädten. Die Geographie der beiden Länder ist überaus abwechslungsreich.
Die Berge des
Böhmerwaldes im Inversionsdunst
Im Südwesten liegt das
riesengroße Schutzgebiet Sumava*)
(gesprochen Schumawa) das direkt an das deutsche
Naturschutzgebiet Bayerischer Wald anschließt. Die Städte Plzen
(Pilsen), Ceske Budejovice (Budweis), Karlovy Vary (Karlsbad),
Marianske Lazne (Marienbad) und Cesky Krumlov (Krumau) sind
weitere Höhepunkte in Böhmen.
Im Nordwesten Böhmens ist die Landschaft durch Braunkohletagebau zerstört wie im benachbarten Sachsen, von dem die Tschechei durch das Erzgebirge getrennt ist. Die Berge setzen sich über die Sudeten nach Osten fort bis in die Hohe Tatra, dort erreichen sie Höhen von rund 2700 Meter und einen nahezu alpinen Charakter.
Die Nordgrenze zwischen der
Tschechei bzw. zwischen der Slowakei und Polen wird durch diese
Berge gebildet. Im äußersten Osten grenzt die Slowakei an die
Ukraine, im Südosten an Ungarn. Entlang dieser Grenzen leben
ukrainische und ungarische Minderheiten.
Im Grenzgebiet der vier Länder Tschechei, Slowakei, Ungarn und Österreich liegt Bratislava (Preßburg), östlich davon beginnt das fruchtbare Donaubecken, das sich bis weit nach Ungarn erstreckt.
Flüge in die Tschechei und die Slowakei sind wegen dieser unterschiedlichen Landschaften, durch die unzähligen Burgen und Schlösser und wegen der vielen mittelalterlichen Städtchen sehr abwechslungsreich.
Während die Tschechei, das
"Musterland der ehemaligen Ostblockstaaten", sehr
westlich orientiert ist, ist die Slowakei eher konservativ. Die
Tschechen und die Slowaken sprechen annähernd die gleiche
Sprache, lieben sich aber nicht besonders.
Probleme gibt es mit deutschen und österreichischen "Besuchern", die das Preisgefälle zur Tschechei zu Sauftouren verleitet.
In den grenznahen Gebieten Bayerns werden die Tschechen wegen häufiger Diebstähle "die Raben" genannt. Mir wurde bisher nichts geklaut, aber besonders in Prag ist die Kleinkriminalität (Taschendiebstähle, Einbrüche in Kraftfahrzeuge, Beschaffungskriminalität Drogenabhängiger etc.) in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Verglichen mit Italien sind die Zustände aber harmlos.
*) Hiermit kapituliere ich vor der schreibweise der tschechischen Sprache. Die Aussprache hinzubekommen habe ich schon vor Jahren aufgegeben.
Küche, Keller, Kammer
Die weltbekannte böhmische Küche ist in der gesamten Tschechei dominierend. Besonders zu empfehlen sind die Wildspezialitäten. Auch der berühmte Palatschinken, ein ungarisches Überbleibsel aus der K. & K. Monarchie, ist hier mindestens genauso gut wie in Ungarn.
Immer wieder verblüffend sind die
Rechnungen, die der Ober nach einem prima Essen mit mehreren
Gängen, Nachspeise und Wein vorlegt. Selten ist die Summe über
250 Tschechischen Kronen (14,-- DM). Nur in Prag und in den
grenznahen Fremdenverkehrsorten gleichen sich die Preise
allmählich unserem Niveau an.
Weniger genußvoll ist die Küche in der Slowakei. Es empfiehlt sich, entweder ungarische Lokale aufzusuchen (die gibt es dort häufig) oder auf fast-food auszuweichen.
Das tschechische Bier ist weltbekannt. "Budweiser" und "Pilsner" sind Synonyme für süffige helle Sorten. Auch einige gute Weine sind in der Tschechei und der Slowakei zu finden. Die slowakischen Tokai-Region grenzt nicht umsonst an das gleichnamige ungarische Weinbaugebiet.
In der östlichen Slowakei ist der Fremdenverkehr noch weitgehend unbekannt, dort kann es Probleme mit der Übernachtung geben. Das gleiche ist in Prag möglich, nicht weil zuwenig, sondern weil zu viele Touristen unterwegs sind.
Wenn ich im Ausland mein Enduro nicht durch einen Hangarplatz sichern kann schlafe ich unter der Tragfläche. Das "1000-Sterne-Hotel" ist an fast jedem tschechischen Flugplatz kostenfrei. Meistens gibt es irgendwo eine Dusche. Zuweilen ist an den Plätzen eine Schlafmöglichkeit in Form eines Matratzenlagers. Das Niveau ist sehr unterschiedlich, die Preise liegen bei etwa DM 5,- pro Nacht und Person, Frühstück gibt es nicht.
In kleinen Pensionen (Aufschrift "Pokoj") liegt der Preis für die Übernachtung etwa bei DM 15,- pro Nacht und Person, Frühstück gibt es normalerweise nicht. Perfekt geführte Hotels kosten etwa DM 50,- bis DM 70,- für das Einzelzimmer einschließlich Frühstück. In Prag sind die Preise kräftig höher.
ICAO-Karten, Anflugkarten, Grenzübertritt
Die Tschechen bauen viele
attraktive UL's.
Immer wieder sieht man interessante Konstruktionen
Die ICAO-Karten Tschechei und Slowakei kosten pro
Karte etwa 40,- bis 50,- DM. Als Anflugkarten verwende ich den Bottlang (Tripkit HUN, beinhaltet Ungarn,
Tschechei und Slowakei, ca. DM 58,-). Wie immer sollten Karten
und Anflugkarten in Deutschland gekauft werden, im Ausland sind
sie nur schwer erhältlich.
Tschechien ist (noch) nicht in der EU, die Slowakei auch nicht. Für den Grenzüberflug ist neben dem Flugplan an Start- und Zielflugplatz Zoll erforderlich. Das gleiche gilt für Flüge aus Ungarn oder Österreich.
In Deutschland klappt der Zoll innerhalb von wenigen Minuten (unter anderem) in Weiden, Straubing, Eggenfelden und, nach 24 Stunden Voranmeldung, in Görlitz. In Tschechien ist der Zoll ständig verfügbar in Karlovy Vary (CTR) und PPR in Ceske Budejovice, Zlin Holesov, Klatovy und einer Reihe weiterer Plätze.
Luftrechtliche Probleme hatte ich beim Einflug nur einmal. Ein tschechischer Lotse las im Flugplan die Typenbezeichnung "Ultralight Enduro" und wollte den Flugplan nicht akzeptieren. Nach einem Telefongespräch war die Sache o.K. Seitdem schreibe ich nur noch "ENDURO" in die Flugpläne.
Statistik
| Offizielle Bezeichnung | Czech Republic | Slovenska Republica |
| Fläche in 1000 qkm(375)*) | 78 | 48 |
| Hauptstadt | Prag | Bratislava |
| Währung | 1 Koruna = 100 Haleru | 1 Koruna = 100 Halierov |
| ca.-Wechselkurs, 1 DM = | 18 Koruna | 17 Koruna |
| Bevölkerung in Millionen (83*)) | 10 | 5 |
| Einwohner pro qkm | 128 | 104 |
| Etnische Gruppen | Tschechen 95% | Slowaken 86% |
| Slowaken 3% | Ungarn 10% | |
| Sinti u. Roma 1,5 % | ||
| Tschechen 1% | ||
| Sprache | Tschechisch | Slowakisch |
| Bruttosozialprodukt pro Einw. US-$ (17900*)) | 10200 | 7200 |
| Flugplätze ohne reine UL_Plätze (617*)**)) | 116 | 37 |
| Flugplätze pro 10000 qkm (100*100 km) | 15 | 8 |
*) Daten in Klammern = Deutschland
**) Von diesen Plätzen ist nur ein Teil für UL anfliegbar
Teilweise sind die obigen Daten nicht mehr aktuell, in den letzten 6 Jahren hat sich bei unseren rührigen Nachbarn viel getan.
Natürlich sind die Tschechen mit vielen ihrer Plätzen jetzt auch Internet. Unter http://www.aeroklub.cz/strana_aeroklub_mapa.php?idpg=43 ist eine ausgezeichnete Karte, auf der alle Flugplätze mit Webseiten verlinkt sind. Wie immer bei den Tschechen ist die Bedienung anders als zu erwarten: Zuerst mit der Maus auf den Platz zeigen (nicht klicken!), dann warten bis die Platzbezeichnung erscheint und erst dann auf die Platzbezeichnung klicken. Aber das ist bei unseren östlichen Nachbarn meistens so, es geht alles etwas anders, aber häufig praktischer, einfacher, pragmatischer.
Nachtrag Apr. 2004,
von Tobias Kretschmar haben wir folgende Zusatzinformation erhalten:
Hallo Bernd
für Flüge nach Tschechien von Görlitz aus gibt es jetzt wieder einen
grenznahen Zollflugplatz - Mnichovo Hradiste - (http://www.rasl.cz/spol/okr/okr.htm)
Das ist ein alter Militärplatz mit entsprechender Giganto-Piste. Wir
haben uns per Fax angemeldet. Der Zoll hat schon gewartet. Die auf der
Homepage angegebenen Preise für den Zoll stimmen. Für die Landungen
wurden uns aber immer Inlandspreise berechnet und vielleicht weil am
Platz sowieso Flugbetrieb war gab es auch keine PPR Gebühren.
Aussage des deutschen Zolls zur EU-Osterweiterung: Zoll fällt ab Mai 04
weg aber Grenzkontrolle bleibt. Für uns bleibt damit praktisch alles
beim Alten.