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Slowenien Veröffentlicht 1998 im DULV-Info 4 |
Mehr und mehr fliegen die Ultraleichten nicht nur im Umkreis des Heimatflugplatzes, sondern überschreiten die Landesgrenzen. Eine Serie über die Flugmöglichkeiten in unseren Nachbarländern soll dafür Tipps geben. In dieser Folge geht es um Slowenien. Ein kleiner Abstecher nach Kroatien ist ebenfalls beschrieben.
Zum
Anfang wie immer ein Reiseerlebnis.
Mein Freund Harry und ich kommen mit zwei ENDURO's von Feldkirchen am Ossiachersee in Österreich und wollen nach Bled/Lesce in Slowenien. Die Karawanken liegen hinter uns, aber weil Bled keinen Zoll hat müssen wir zuerst zum international Airport Ljubljana (früher Laibach).
Die
Flugsicherung von Ljubljana hat uns als Formation über diverse
Pflichtmeldepunkte in den Endanflug gelotst und wir fliegen etwa
5 Minuten vor der Schwelle in Richtung auf die riesige
Betonplatte. "Delta-Sierra-Bravo, Your position please"
(Ihre Position bitte) kommt aus dem Funk und ich antworte nach
einem Blick auf das GPS "Delta-Sierra-Bravo, long final, 4
miles to the runway" (langer Endanflug, 4 Meilen zur
Landebahn).
"O.K., Delta-Sierra-Bravo please make a high speed aproach" (Bitte machen Sie einen schnellen Anflug) kommt vom Tower. Ich habe zwar auf der Towerfrequenz nur eine Einmot im Schulungsbetrieb gehört, trotzdem schwant mir fürchterliches. Sollte wirklich ...? Na ja, dann hat der Tower ein Problem. "Formation Delta-Sierra-Bravo, high speed aproach is impossibile, we fly Ultralights" (Ein schneller Anflug ist unmöglich, wir fliegen UL's) Nach einer langen Pause stöhnt der Kontroller "Oh Jesus - No!" (Meingott Nein!).
Mir
ist klar, was los ist. Hinter uns hängt was Größeres. Die
Anweisung "Delta-Sierra-Bravo, please leave the runway as
soon as possible" (Bitte verlassen Sie die Piste so schnell
wie möglich) ist überflüssig, wir fliegen ohnehin mit Bügel
am Bauch bis kurz vor die erste Intersection und rollen sofort
von der Piste. Kaum ist die Bahn frei setzt ein Touristenbomber
auf. Wahrscheinlich hat der durch das Verzögern des Anfluges
mehr Kerosin verbrannt als wir im ganzen Urlaub Sprit brauchen
werden.
Als wir uns nach dem üblichen Schreibkram für Zoll, Passkontrolle und Landegebühren wieder startfertig machen kommt der Kapitän des Airliners zu uns. Wir plaudern ein paar Worte. Wir erzählen vom Morgennebel, der unseren Start verzögert hat, vom Flug über die Alpen, von Wolken, die uns Passübergänge versperrten, über unsere ENDURO's und über die Nächte unter der Tragfläche.
Zweifelnd schaut er zu seinem high-tech-Schiff. "Yes, I understand, You are really flying" (Ja, ich verstehe, Ihr fliegt wirklich). Er macht dabei einen recht frustrierten Eindruck.
Flugplätze und fliegerische Besonderheiten
Nicht auf den ersten Blick erkennbar: Ein Flugplatz
Neben den drei weiter unten genauer
beschriebenen großen Airports Ljubljana, Portoroz und Maribor
(alle mit CTR) sind eine Reihe kleinerer Flugplätze mit dem UL
anfliegbar.
Außerdem gibt es erstaunlich viele UL-Plätze. Sie sind beim Überflug nur an dem typisch abgefahrenen Streifen im Gras erkennbar. Landen auf diesen Plätzen bringt nichts, es gibt keinen Sprit, keine Kantine, keinen Hangar, es gibt gar nichts. Das einzige, was auf so einem Platz machbar ist: Starten und weiterfliegen.
Für die UL's ist der Luftraum G über Slowenien frei. Er reicht von GND bis 300 m über GND (natürlich nur außerhalb der CTR`s).
In
Österreich sind die Spritpreise ein Alptraum - in Slowenien und
im benachbarten Kroatien dagegen ein Traum. Für den Liter Avgas
sind nur wenig mehr als eine DM fällig. Ähnlich moderat sind
die Landegebühren (ausgenommen die drei International Airports).
In Slowenien gibt es etwa 150 Trikes, ca. 300 Trike-Piloten, etwa 40 Dreiachser und etwa 90 Dreiachser-Piloten. Organisiert sind sie in einem nationalen Flugverband. Nähere Information ist erhältlich über Joze Gajser, Iljasevci 14, 9242 Krizevci, Slovenien, Fax 0038-69-81212, email avtosola-zsam@siol.net. Joze ist im Slowenischen Flugverband der Vorsitzende der ULer, also so was wie ein slowenischer Jo Konrad.
Entlang der
Adriaküste liegen viele malerische
Inseln und Halbinseln
Land und Leute
Der Spruch der Slowenischen Fremdenverkehrswerbung "auf der Sonnenseite der Alpen" beschreibt das Land richtig. Durch die ideale Lage zwischen den Alpen, der Adria, der Karstlandschaft des Balkans und der ungarischen Ebene bietet Slowenien für jeden Geschmack die passende Urlaubslandschaft.
Dabei
ist alles etwas kleiner, weniger ausgeprägt und handlicher als
im Original. Die Alpen sind nicht so hochalpin wie im
benachbarten Österreich, die Ebene ist nicht so heiß wie in
Ungarn und die Karstlandschaft nicht so endlos wie im übrigen
Balkan.
Zuweilen sind auch die Notlandeplätze Miniaturausführungen. Besonders an der dichtbebauten Küste bei Portoroz sowie in den Bergen zwischen Ljubljana und Maribor sind geeignete Plätze dünn gesät.
Unbedingt
ansehen sollte sich jeder Besucher die einmaligen Karsthöhlen.
Die Höhlen von Postoina sind weltbekannt. Das Höhlensystem von
Skocjanske Jame ist mindestens ebenso sehenswert, aber weniger
überlaufen.
Im Bild der Städte und Städtchen ist die k. u. k. Zeit lebendig. Auch das diplomatische Geschick der Slowenen erinnert an die hohe Zeit der Donaumonarchie. Aus dem absurden Krieg, in dem das frühere Jugoslawien unterging, hat sich das Land geschickt herausgehalten. Heute gehört Slowenien mit Tschechien und Ungarn zu den ersten Anwärtern für eine EG-Mitgliedschaft.
Küche, Keller, Kammer
Der Eingang der Höhlen von Skocjanske Jame
Die
slowenische Küche ist so abwechslungsreich wie die Landschaft.
Italien, Balkan, Ungarn und Österreich mischen sich zu einer
exzellenten Kombination.
Auch
beim Wein macht sich die "Sonnenseite der Alpen"
bemerkbar. Es gibt ausgezeichnete Tröpfchen, die zudem durchwegs
sehr preisgünstig sind. Leider sind beim Bier die einheimischen
Sorten gegenüber dem österreichischen Einheitsgebräu Gösser
auf dem Rückzug.
Zelten oder Schlafen unter der Tragfläche ist auf den Flugplätzen (ausgenommen die drei großen Flughäfen) problemlos. Hotels und Privatzimmer (auf Tafeln mit der Aufschrift "Sobe" achten) sind überall preisgünstig erhältlich.
ICAO-Karten, Anflugkarten, Grenzübertritt
Hinter dem Platz Portoroz liegt eine große Lagune
Die Jeppesen-Karte Slowenien ist im Flugbedarfshandel
erhältlich, der Preis beträgt etwa 18,00 DM. Als Anflugkarten
verwende ich wie immer den Bottlang. Das Tripkit YUG beinhaltet neben Slowenien auch
Bosnien, Kroatien, Macedonien und Rest-Yugoslawien, es kostet
etwa DM 52,00.
Vrsar in
Kratien hat ein
wunderschönes Flugplatzlokal
Auch für Slowenien sollten wie
überall Karten und Anflugkarten vor dem Flug gekauft werden, im
Land sind sie an den Plätzen nur schlecht erhältlich.
Der Ein- oder Ausflug von und nach Slowenien muss über Ljubljana, Portoroz oder Maribor erfolgen. Jeder dieser International Airports hat eine CTR, der Anflug wird in Englisch abgewickelt (die Englischkenntnisse sollten deshalb auf BZF-I-Niveau sein).
Ljubljana
bietet sich im Norden für den Übergang von und nach Österreich
an. Weil wir dort nur wegen der Zollabfertigung landeten hat uns
der Platz die sehr hohe Landegebühr zur Hälfte erlassen.
Vrsar ist von Portoroz
leicht erreichbar
und den Abstecher wert.
Portoroz im Süden ist ideal für
Flüge nach Italien und Kroatien (Zoll z.B. in Vrsar, die Bilder
auf dieser Seite sind teilweise auf einem Ausflug nach Vrsar
entstanden). In der CTR Portoroz hatte ich einen Funkausfall.
Trotzdem wurden wir nach der Landung mit einem Cognac begrüßt.
"No radio, that is no problem" (Kein Funk, das ist kein
Problem) kommentierte der Fluglotse meine Entschuldigung. Ein
Verstimmung ergab sich aber (fast), als wir mit Hinweis auf den
geplanten Weiterflug den Cognac ablehnen wollten. Wir haben die
Ursache der Differenzen im Interesse der Völkerverständigung
dann doch vernichtet.
Über Maribor im Osten ist der Raum Graz, Wiener Neustadt und Wien gut erreichbar. Auch für den Grenzübertritt nach Ungarn ist Maribor günstig. Dort kann Siofok (im Sommer ständig Zoll) oder Sarmellek (Zoll 3 Tage PPR) angeflogen werden.
Statistik
| Offizielle Bezeichnung | Republika Slovenije | ||
| Fläche in 1000 km² (357) | 20 | ||
| Hauptstadt | Ljubljana | ||
| Währung | 1 Talar = 100 Stotins | ||
| Bevölkerung in Millionen (83) | 1,9 | ||
| Einwohner pro km² (232) | 95 | ||
| Ethnische Gruppen | 91 % Slowenen | ||
| 3 % Kroaten | |||
| 2 % Serben | |||
| Sprache | Slowenisch | ||
| Bruttosozialprodukt pro Einw. (17.900 $) | 11.000 $ | ||
| Inflationsrate (1995 2%) | 8 % (1995) | ||
| Flugplätze ohne UL-Plätze (617*)) | 14 | ||
| Flugplätze pro 10000 km² (17,2*)) | 7 | ||
| Daten in Klammer = Deutschland | |||
| *) von diesen Plätze sind nur ein Teil für UL anfliegbar | |||
Ergänzende Information vom 27.4.02
Vor einigen Tagen war ich in Ljubljana, Slowenien. Weil in der letzten Zeit immer wieder widersprüchliche Angaben über das UL-Fliegen mit ausländischen UL's in Slowenien auftauchen bin ich zur General Aviation am dortigen Flughafen gegangen und habe mich erkundigt. So ganz klar haben die allerdings auch nicht Bescheid gewusst. Nach einigen Telefonaten der zuständigen Leute mit diversen Stellen in der slowenischen Bürokratie bekam ich die folgende Auskunft: