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| Die bösen
Österreicher
Ins Netz gestellt am 30. Juni 2000 |
Seit Jahren fliegen wir ohne Probleme nach Österreich. Das war nicht immer so.
Als in Deutschland die Ultraleichtfliegerei eingeführt wurde war das UL-Fliegen in Österreich nicht erlaubt. Erst Jahre später hat die Alpenrepublik nachgezogen. Sobald die ersten Ultraleichten in Austria rumschipperten haben wir bei DULV und DAeC angeregt, den Einflug deutscher UL's genehmigen zu lassen. Die Verbände haben bedauerlicherweise nichts getan. Also haben wir selber in Wien um eine Genehmigung nachgefragt und diese auch erhalten. Mit Telefax vom 20. Juni 1994 gab Austro Control grünes Licht für den "fallweisen Betrieb" in Österreich.
Damit haben die Österreicher soweit mir bekannt als erstes Land weltweit offiziell den Betrieb deutscher Ultraleichter ohne wenn und aber akzeptiert. Es gab Hunderte von Einflügen mit Ultraleichten, jeweils mit einem von Austro Control akzeptierten Flugplan. Seit etwa einem Jahr verzichten unsere südlichen Nachbarn sogar auf Flugplan, Grenz- und Zollabfertigung. Liberaler, offener und großzügiger geht es nun wirklich nicht mehr.
Das abgedruckte Telefax haben wir damals sowohl dem DULV als auch dem DAeC zur Verfügung gestellt. Der DULV hat es in seinem Info veröffentlicht, der DAeC hat es in die Ablage gelegt.
Seitdem ist einiges geschehen.
Die Österreicher haben mit der FPÖ um Jörg Haider eine - vorsichtig ausgedrückt - in Deutschland nicht genehme politische Richtung eingeschlagen. Mir gefällt diese Richtung auch nicht, aber es ist meines Erachtens nur und ausschließlich Sache der Österreicher, wem sie in freien Wahlen ihre Stimme geben.
Unsere Bundesregierung ist diesbezüglich anderer Meinung. Sie versucht unseren Nachbarn mit europaweiten politischen Sanktionen zur Raison zu bringen. Vor nicht allzu langer Zeit hat das große Deutschland schon einmal das kleine Land Österreich durch politische Schikanen zur Raison gebracht. Das Ergebnis nannte sich Großdeutschland und Österreich war von der Landkarte verschwunden.
Die Mehrheit aller Österreicher ist sicher nicht nazibraun, aber eine überwältigende Mehrheit ist der Meinung, dass österreichische Wahlen in Österreich und nicht in Berlin entschieden werden. Ich finde, die haben recht.
Die Österreicher reagieren mit einer extremen Betonung ihrer Souveränität. Sie entscheiden auf europäischer Ebene gegen alle übrigen Mitglieder der Gemeinschaft. Vor etwa vier Wochen haben sie deutsche Führerscheine als nicht anerkennbar erklärt, weil die Lappen auf falschen Formularen gedruckt waren. Vielen Deutschen mag das lächerlich erscheinen, ich kann die Reaktion verstehen. Vielleicht liegt das daran, dass ich mit Leib und Seele Bürger eines extrem föderalistischen Freistaates bin.
Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kommen nun unsere Luftsportverbände auf die Idee, etwas regeln zu lassen, was ohnehin prima läuft. DAeC und DULV starteten eine Anfrage bei Austro Control. Wir fliegen zwar seit Jahren ohne Probleme in der Alpenrepublik, aber dürfen wir das denn auch?
Die Antwort der Österreicher war vorhersehbar. Sie haben (zumindest beinahe) "nein" gesagt. Der DULV veröffentlicht folgende Stellungnahme von Austro Control:
"In Österreich wird für die Ausstellung eines Privatpilotenscheines eingeschränkt auf Ultraleicht-Flugzeuge unter anderem die komplette praktische und theoretische Privatpilotenprüfung, eine praktische Prüfung auf UL sowie eine Gesamtflugzeit von 40 Stunden verlangt.
Da diese Bedingungen bei der Ausstellung einer Sportpilotenlizenz (Beiblatt F) nicht erfüllt werden, besteht keine Gleichwertigkeit und somit kann keine Anerkennung bzw. Umschreibung erfolgen.
Diese Lizenz entspricht damit auch nicht dem ICAO-Standard für Privatpiloten und hat daher auch keine internationale Gültigkeit und Sie können damit in Österreich leider nicht fliegen.
Die Umschreibung eines deutschen PPL-Beiblattes A und B ist jedoch jederzeit ohne Prüfung möglich und diese beiden Scheine würden die UL-Geräte einschließen.
Mit freundlichen Grüßen
AustroControl"
DULV und DAeC haben jetzt das Problem, das Problem mit Österreich aus der Welt zu schaffen, das es ohne DULV und DAeC gar nicht gäbe. Wenn das Problem aus der Welt geschafft ist werden sie sich als die großen Problemlöser feiern.
Aus zwei Gründen juckt mich die ganze Sache eigentlich gar nicht besonders.
Es bleibt die Frage wie es weitergeht.
Auf einschneidende Reaktionen aus Berlin zu warten halte ich für sinnlos. Es wird wohl kaum ein Staatssekretär nach Wien düsen, um uns handvoll ULern den Flugspaß in Austria zu erkämpfen. Genau so chancenlos erscheint es mir, auf unsere Verbände zu hoffen.
Ich setze auf die Österreicher. In Wien lauert immer noch hinter jedem Aktendeckel das diplomatische Geschick der Donaumonarchie. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass es über die neue Handhabung von Austro Control kein NOTAM gibt. Wenn meine Vermutung richtig ist haben die Österreicher genau das erreicht, was sie im Augenblick erreichen wollen. Sie legen niemand sinnlos Steine in den Weg, stellen aber klar, das sie in Österreich das Sagen haben. Es ist peinlich für uns, dass sie das klarstellen müssen.
Jo Konrad, der Vorsitzende des DULV hat sich heftig über den obigen Artikel beschwert. Er gab an, die in dem Artikel gemachten Angaben, der DULV habe zu einem ganz und gar unpassenden Zeitpunkt eine Anfrage an Österreich gerichtet, sei nicht richtig. Er verlangte in ultimativer Form eine Streichung der entsprechenden Passagen.
Zu dem Zeitpunkt, als wir den Artikel ins Netz gestellt haben, war unser Informationsstand, dass die Anfrage nach Wien (unter anderem) von einem DULV-Vorstandsmitglied ausgegangen sei. Diese Information war falsch.
Jetzt haben wir ein Problem.
Auf der einen Seite können wir den obigen Artikel nicht ungeschehen machen, er steht seit etwa 2 Jahren im Netz. Außerdem passt es uns nicht, dass wir in ultimativer Form zu einer Korrektur unserer Internetseiten aufgefordert werden. Das riecht nach Zensur und eine solche würden wir nie akzeptieren.
Auf der anderen Seite hat der DULV recht, wir sind einem Gerücht aufgesessen. Der DULV hat die idiotische Anfrage an AustroControl nicht zu verantworten.
Da bleibt uns nur eine saubere Lösung. Wir möchten uns hiermit beim DULV für den obigen Artikel entschuldigen.
Bernd Schmidtler