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Egal, ob das Hyper-Super-Wahnsinns-Trike mit aerodynamischer Randwirbelbeschleunigungs- bremse oder ein uralter Dreiachser mit einem abgearbeiteten 263er vor Dir steht - ein Blick auf die Ausrüstung zeigt, ob der Besitzer größere Strecken fliegt oder ob er nicht über die Platzrunde hinauskommt. Nachfolgend einige Tipps zu Ausrüstungsgegenständen, die zum Streckenfliegen nötig oder nützlich sind.
Packtaschen
Auch bei spartanischer
Selbstbeschränkung brauchst Du für eine Woche UL-Urlaub einige
persönlicher Dinge, beispielsweise eine Zahnbürste,
Rasiercreme, eine Seife, etwas Wäsche etc. Hinzu kommt der
unvermeidliche Stoß ICAO- und Anflugkarten. Auf den Fotoapparat
wird natürlich nicht verzichtet. Mit jedem elektronischen Gerät
- Funk, Video, GPS - sind zusätzlich Reserve-Akkus und ein
Ladegerät nötig.
Erdanker, Befestigungsleinen, ein Minimum an Werkzeug und ein oder zwei Liter Zweitaktöl sind für die Maschine unerlässlich, genauso wie das Funkgerät und das GPS.
Zum Fliegen in offenen UL sind Moonboots ideal, aber wer will schon an einem lauen Sommerabend mit Moonboots in einen Biergarten sitzen? - ein Paar Turnschuhe müssen also auch noch mit. Der leidige Kleinkram, wie Geldbeutel, Brieftasche, Schreibmaterial, Blanko-Flugpläne, die Papiere fürs UL, der Reisepass und eine Sonnenbrille, dazu bei Auslandsflügen ein Dictionary, sind sowieso unverzichtbar.
Zum Campieren ist ein Schlafsack
und ein Biwaksack das Minimum. Ich leiste mir zusätzlich ein
Moskito-Netz und eine Iso-Matte - harte Typen nehmen den Sitz aus
dem UL und sparen sich so die Iso-Matte.
Wenn der ganze Plunder vor der
Maschine liegt stellt sich die fast unlösbare Frage, wo das
alles untergebracht werden soll.
Für geschlossene UL bieten sich handelsübliche Reisetaschen an. Achtung! Taschen oder andere lose Gegenstände dürfen nicht verrutschen. Eine Reisetasche im Höhenrudergestänge oder eine Cola-Dose unter dem Seitenruderpedal haben katastrophale Folgen.
Trikes lassen sich beidseitig des Sitzes mit Packtaschen ausrüsten. Solche Packtaschen sind auch im Flug gut zu erreichen
Taschen sind sinnvoller als ein Stauraum im Trike. Bleibt die Maschine nachts alleine im Freien, muss ein Stauraum ausgeleert werden, um dem "Flugplatzklau" entgegenzuwirken (wohin mit dem Zeug?). Am folgenden Morgen wird wieder eingeräumt. Packtaschen dagegen lassen sich mit wenigen Handgriffen abnehmen und wie zwei Koffer transportieren oder bei der Flugleitung einstellen.
Erdanker
Erdanker sind ein "Muss" bei
jedem Streckenflug. Wer einmal versucht hat, bei starkem Wind von
Hand seine Maschine zu retten, nimmt zukünftig bestimmt die drei
erforderlichen Korkenzieher mit.
Als Befestigungsleinen verwende ich keine normale Reepschnur (preisgünstig, aber sehr dehnbar), sondern eine Dynema-Leine (unverschämt teuer, aber fast ohne Dehnung). Mein ENDURO bleibt damit auch nach mehreren Stunden im böigen Wind unwackelbar festgezurrt.
Hin und wieder ist das Erdreich sehr fest, die Anker lassen sich nicht eindrehen. Für solchen Boden habe ich zusätzlich 3 übergroße Nägel dabei. Die halten weniger als Erdanker, aber viel mehr als der bloße Wunsch "hoffentlich kommt kein Wind".
Die Fläche wird mit einem Erdanker gesichert
Die Erdanker mit den zugehörigen
Leinen sollten mit einem Griff erreichbar sein. Bei einem
heranziehenden Gewitter bleibt keine Zeit, die nötigen Teile
zwischen Öldosen, Zahnbürste, Kerzenschlüssel und ICAO-Karten
herauszusortieren und die Leinen zu entwirren.
Foto und Video
Nach mehreren Jahren mit der Videokamera habe ich frustriert aufgegeben. Ist das Zoom auf eine normale Brennweite eingestellt, wird das Motiv winzigklein abgebildet oder die Szene lässt sich nur sekundenlang und mit schlechtem Gewissen im unerlaubten Tiefflug einfangen. Ist das Zoom dagegen auf eine lange Brennweite gestellt, wird die Aufnahme bei der geringsten Thermik abscheulich verwackelt.
Bei Wasserburg am Inn
Als letzte Möglichkeit bleibt das
Tele vor oder nach der Thermik, in den frühen Morgenstunden oder
Abends. Selbst wenn in diesen Stunden die interessantesten Motive
des Tages zu finden sind, sind die Aufnahmen enttäuschend. Am
Morgen und am Abend ist häufig eine bodennahe Dunstschicht
vorhanden. Dunst in Verbindung mit einem Teleobjektiv ergibt
Bilder, die aussehen wie Filme mit einem Entwicklungsfehler.
Beim Fotografieren ist das Verwackeln leicht zu vermeiden, Licht ist im Überfluss vorhanden. Ein langes Tele mit weit geöffneter Blende liefert kurze Verschlusszeiten und damit scharfe Bilder.
Egal ob Video oder Foto, die Kamera sollte mit einem Griff erreichbar sein. Der Apparat darf bei der Bedienung der Maschine nicht behindern. Auch im offenen Trike sollte der Foto oder die Videokamera bei einem Regenguss trocken bleiben.
Eine Sicherungsleine mit einem kleinen Karabiner gegen einen "Absturz" der Kamera ist empfehlenswert.
Nicht bewährt haben sich
Objektivdeckel, die mit einer Leine an der Kamera befestigt sind.
Im Fahrtwind eines offenen UL flattern diese Deckel fürchterlich
und verpassen dem Piloten, wenn er in den Sucher schaut, ein
Ohrfeigen-Stakatto. Ich lasse den Objektivdeckel grundsätzlich
weg, zur Schonung der Optik ist ständig ein UV-Filter
aufgeschraubt.
Trinkflaschen und deren Gegenteil
Eine Trinkflasche wegen der paar Stunden Streckenflug?" wird mancher zweifelnd fragen, besonders weil im UL nicht das Trinken, sondern das Loswerden der getrunkenen Flüssigkeit eine umständliche Sache ist.
Ich hab' das lästige Pinkelproblem jahrelang durch Abstinenz gelöst. Am Morgen vor dem Start und tagsüber habe ich fast nichts getrunken. Nach einigen Stunden Flug ist durch die mangelnde Flüssigkeit das Schlucken unmöglich. Der fehlende Druckausgleich im Ohr ist unangenehm, besonders bei raschem Höhenwechsel. Mit einem Kaugummi lässt sich die Speichelbildung anregen und der Druckausgleich funktioniert wieder.
Trotzdem bleibt die fehlende Flüssigkeitszufuhr heikel. Im offenen UL ist infolge der hohen Verdunstung an der Körperoberfläche der Flüssigkeitsverlust extrem. Welche Folgen dies haben kann habe ich begriffen, als mir ein Arzt die Zusammenhänge zwischen Flüssigkeitsentzug und Nierensteinbildung erklärt hat. Mein Interesse war erheblich, denn vorher hatte er in meinem Bauch mit einem Laser einen verklemmten Nierenstein zerschossen.
Eine
"Ausrüstung" besonderer Art: Robert Maier
und sein Co mit Sauerstoffmasken vor einem Höhenflug
Abgesehen von solchen langfristigen
Schäden führt mangelnde Flüssigkeit auch kurzfristig zum
Rückgang der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit.
Bergsteiger wissen dies (ein starker Flüssigkeitsentzug entsteht
auch bei Hochtouren durch die trockene Luft). Sie schütten
deshalb literweise Flüssigkeit in sich rein. Wir sollten dies -
besonders bei offenem UL - auch tun.
Am einfachsten ist die getrunkene Flüssigkeit wieder loszuwerden, wenn in vernünftigen Zeitabständen gelandet wird, aber welcher UL-Pilot ist schon vernünftig? Die großen Reichweiten heutiger UL verlangen andere Lösungen. Mir sind bisher 3 Praktiken bekannt geworden: Windeln, ein Kondom mit Schlauchanschluss (erhältlich in Apotheken) oder, zusätzlich zur Trinkflasche, eine zweite Flasche - vorsichtshalber in einer anderen Farbe.
Kniebrett
Beim Kniebrett achte ich besonders auf sicheren
Sitz (der Kartenhalter soll nicht rutschen) und auf eine weiche
Bauart (ich möchte auch im Falle eines Crash keine gesplitterten
Plastikteile in den Nieren haben).
Es sollte möglich sein, mehrere Karten in das Kniebrett einzulegen. Im Flug wird dann die jeweils aktuelle Karte nach oben geklappt. Das Umblättern im offenen Trike ist eine mühsame Sache, da haben es die geschlossenen Dreiachser leichter. Durch geschicktes Falten kann Blättern meistens vermieden werden, es genügt dann ein Umdrehen der aufgeschlagenen Seite.
Werkzeug und Ersatzteile
Normalerweise ist beides unnötig, aber wann läuft beim UL-Fliegen etwas normal? Eine Außenlandung wegen Nebels oder eine langanhaltende Schlechtwetterperiode ist niemals sicher auszuschließen. Beides kann dazu führen, dass ein Streckenflug mit einem Auto-Rücktransport endet. Sicherheitshalber habe ich immer das nötige Werkzeug dabei, um das UL abzubauen und für den Autotransport fertig zu machen. Für das ENDURO benötige ich dafür nur einen Gabel- und 2 Inbusschlüssel.
Für die einfachsten
Überprüfungen am Motor habe ich einen Kerzenschlüssel und zwei
Reserve-Zündkerzen dabei. Genützt hat mir das noch
nie, aber es beruhigt; wenigstens ein Werkzeug für den Motor ist
mit auf Tour.
Häufiger im Einsatz ist eine Tube Epoxydharz, der zugehörige Härter und etwas Schleifpapier verschiedener Körnung. Das Harz ist zweckmäßig abgepackt unter der Bezeichnung "Stabilit Express" in Spielwarenläden erhältlich. Regentage lassen sich mit diesen Utensilien zum Ausbessern von Steinschlagschäden an der Luftschraube nützen.
Ein Satz Schraubendreher, eine Zange und ein Putzlappen machen das Bordwerkzeug komplett. Das "Ersatzteillager" umfasst noch einige Kabelbinder und mehrere Dosen Zweitaktöl.
Für das Werkzeug und das Öl sollte ein geeigneter Platz gefunden werden. Wenn Werkzeug oder Öl in den Packtaschen verstaut werden schwimmt früher oder später das Bottlang Airfield Manual im Öl, die Zahnbürste liegt im Putzlappen und das Epoxydharz klebt in der Wäsche.