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Immer Ärger mit
dem Funk

Veröffentlicht 1999 im DULV-Info

Bei Streckenflügen sollte das Flugfunkgerät halbwegs zuverlässig funktionieren. Besonders bei offenen Ultraleichten ist dies nicht einfach hinzukriegen.

Zugegeben, ich bin nicht ausnehmend kompetent für dieses Thema, denn auch bei mir tritt hin und wieder das Ärgernis "Funkausfall" auf und die Qualität meines Funks ist keineswegs HiFi . Gerade deshalb aber kommen die nachfolgenden Tips brandheiß aus der Praxis.

Ausbaubar oder fest montiert?

Ob das Fliegen im offenen Trike oder im geschlossenen Dreiachser faszinierender ist, wird heiß diskutiert. Ich bevorzuge das Trike, ich mag es, wenn mir der Fahrtwind um die Nase weht. Dafür nehme ich auch gelegentlich ein bißchen Kälte und hin und wieder einen Regenschauer in Kauf.

Nur wenn ich sehe, wie einfach es die Piloten im geschlossenen UL mit dem Funk und mit anderen elektronischen Geräten haben, werde ich neidisch. Weder die Elektronik noch Stecker, Taster oder Schalter müssen im Falle eines Regenguß ihre "Unterwassertauglichkeit" beweisen. Auch der Ärger mit dem Fahrtwind im Mikrofon fällt im geschlossenen UL weg. Ist ein Kabel nicht perfekt befestigt, so flattert es nicht nervtötend im Wind sondern liegt schlimmstenfalls am Kabinenboden.

Wenn der Flugplatzklau zuschlägt sind die geschlossenen Dreiachser allerdings fast genauso gefährdet wie die Trikes. Während der nichtsahnende Pilot im Hotel übernachtet, eine Stadt besichtigt oder im nahegelegenen Café eine Pause einlegt, plündern unangenehme Mitmenschen das Cockpit. Die Ganoven interessieren Funkgeräte, GPS, Headset, Fotoapparate und ähnlich preisgünstige Gegenstände.

Der wirksamste Schutz ist, die teueren Ausrüstungsgegenstände einfach mitzunehmen oder bei der Flugleitung zu deponieren. Die "Funke" und das GPS sollten deshalb zumindest bei den Trikes leicht aus dem Fluggerät auszubauen sein. Beim Dreiachser bleibt als Alternative, das Ausbauen so mühsam zu gestalten, daß sich der Dieb ein anderes UL als Opfer sucht.

Die Stromversorgung

Halbwegs zuverlässig arbeitet das Funkgerät nur, wenn es nicht nur über einen eingebauten Akku, sondern zusätzlich oder ausschließlich über das Bordnetz gespeist wird.

Dabei sollte das Funkgerät (und jedes andere elektronische Gerät, z.B. GPS, elektronisches Vario usw.) direkt an die Starterbatterie angeklemmt werden. Sind an dem Kabel, das die Batterie mit dem (den) elektronischen Gerät(en) verbindet, keine anderen Verbraucher angeschlossen, so wirkt die Batterie wie ein Puffer. Überspannungen werden weitgehend vermieden.

Trotz dieser Pufferung kann es unter ungünstigen Umständen zu schädlichen Spannungsspitzen kommen. Ich hab' sicherheitshalber in die Leitung vor dem Funkgerät einen Thermistor eingelötet. Noch besser ist ein Spannungsstabilisator in der Leitung zwischen Batterie und Funkgerät.

Der Anschluß des Funks an das Bordnetz lädt bei einigen Handfunkgeräten den eingebauten Akku auf. Beim Streckenfliegen ist dies angenehm, das Gerät ist am Boden immer als "Handgurke" einsatzbereit.

Um dabei nicht durch den Memory-Effekt den Akku zu schädigen, sollte er wenigstens hin und wieder vollständig entladen werden. Bei den Handfunkgeräten geht das einfach. Das Gerät wir von der Bordspannung abgeklemmt. Mit der Beleuchtung des Displays ist der Akku in kurzer Zeit geleert.

Die doppelte Stromversorgung des Funkgerätes über den Akku und das Bordnetz hat nicht nur Vorteile. Bei einer Unterbrechung des Verbindungskabels zwischen Bordbatterie und Funkgerät klappt der Funk zuerst wie üblich, das Gerät wird ja über den Akku versorgt. Nach einigen Stunden Flugzeit erscheint dann überraschend das fatale "LOW BATTERY", wenige Minuten später ist die Verbindung weg.

Die Antenne

Neben der Stromversorgung ist bei den Handfunkgeräten die Antenne eine Schwachstelle. Mit der serienmäßigen Stummelantenne bin ich zuweilen nicht sicher, soll ich funken oder ist schreien effektiver. Auch die VOR-Empfänger in den Handfunkgeräten sind mit der Stummelantenne wenig wert.

Durch eine externe Antenne läßt sich Reichweite und Qualität entscheidend verbessern. Angeschlossen wird eine solche Antenne über ein sogenanntes RG58-Kabel. Zulässig ist dies nur im Ausland, in Deutschland erlischt durch eine Änderung am Funkgerät oder an der Antenne die postalische Zulassung. Jeder UL-Pilot, der mit einer externen Antenne seinen Funk wenigstens in der erweiterten Platzrunde verständlich macht, begeht (streng genommen) eine Ordnungswidrigkeit.

Noch viel ordnungswidriger ist es, das Funkgerät mit einer Dipolantenne auszurüsten. Damit funktioniert das Ganze aber erst richtig. Die Reichweite der Handfunkgeräte steigt bei mittleren Flughöhen auf vernünftige 30 km und mehr, das VOR wird gut nutzbar. Besonders zweckmäßig ist dabei, daß nicht nur die Sendequalität, sondern auch der Empfang verbessert wird.

Eine weitergehende Beschreibung könnte als Anstiftung zur Ordnungswidrigkeit verstanden werden, so etwas würde ich nie tun. Die Dipolantenne aus unserem Zubehörangebot darf natürlich nur im Ausland verwendet werden.

Externe Antennen müssen unbedingt zuverlässig verkabelt werden. Kommt es zu einer Unterbrechung zwischen dem Funkgerät und der Antenne, so kann eine zerstörte Endstufe im Funkgerät die Folge sein. Besonders RG58-Kabel mit Schraubanschluß sind hier bedenklich, solche Anschlüsse fassen das Kabel nicht verläßlich.

Nicht nur ordnungswidrig, sondern eine ausgesprochene Schweinerei ist das "Aufblasen" des Funkgerätes mit einer getunten Endstufe. Kameradenschweine mit solchen Geräten stören noch in mehreren hundert Kilometer Entfernung den Funkverkehr aller anderen Piloten. Zu welch nutzlosem Fiasko dies letztlich führt erkennt jeder, der in Italien ein CB-Funkgerät einschaltet und andauernd simultan an die 50 Sender zwischen Bozen und Sizilien empfängt.

Zusätzlich ist ein solches Tuning noch nicht einmal sinnvoll. Nur die Sendeleistung wird erhöht, der Empfang bleibt bescheiden.

Mikrofon und Fahrtwind

Mir macht UL-Fliegen am meisten Spaß mit einem offenem Helm, bei dem der Wind frei und ungehindert um die Nase pfeift. Dummerweise pfeift er dann auch frei und ungehindert im Mikrofon.

Bereits ein Integralhelm schirmt das Mikro etwas ab. Das Equipment, das bei einem offenen Helm die gleiche Funkqualität bietet wie ein Integralhelm oder gar eine geschlossene Kabine habe ich bisher trotz allem Rumprobieren noch nicht gefunden.

Mit dem passenden Mikrofon und dem richtigen Schaumstoffball als Windschutz sollte das Windgeräusch auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Das ist die Theorie. In der Praxis hilft nur ausprobieren, ausprobieren und noch mal ausprobieren.

Unangenehm ist, daß Du es selbst kaum merkst, wenn Dein Funkgerät unverständliche Laute in den Äther bläst. Wenn ein humorvoller Flugleiter die Verbindung mit "Verstehe Sie minus Eins" kommentiert solltest Du Deine komplette Anlage systematisch durchchecken. Ist die Stromversorgung in Ordnung? Sind alle Kabelverbindungen o.K.? Sitzt der Schaumstoffball richtig am Mikro?

Wenn das alles nicht hilft, so bleibt Dir nur der Standardtrick aller Elektroniker. Tausche systematisch jede einzelne Komponente aus, bis das System funktioniert.

Am Boden mit der Verbindung zur perfekten Empfangsstation Deiner Flugleitung geht fast jeder Funk. Probleme gibt es immer erst in der Luft, wenn am anderen Ende der Verbindung ebenfalls ein Ultraleichter mit kläglicher Empfangsanlage hängt. Jeder Test braucht deshalb mindestens einen Platzrundenflug von 2 Maschinen.

Mit so einer Bastelei ist schnell ein wunderschöner Flugtag vertan. Da hätten wir auch nach Budweis rüberfliegenn können oder zu Max nach Tannheim oder wer-weiß-wohin. Aber es gibt eben immer Ärger mit dem Funk.

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