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Ein UL-Flug nach Polen

Ins Netz gestellt 2003

 

Unser Bericht über Polen (siehe hier) ist in der Zwischenzeit 8 Jahre alt und damit sicherlich in verschiedenen Punkten nicht mehr aktuell.  Im vergangenen Sommer ist Dr. Michael Cramer mit seiner Kappa nach Danzig geflogen. Hier sein Bericht:

Fast bis Kaliningrad

Ich wollte nach Kaliningrad, da ein guter Freund dort für einige Zeit arbeitet. Generell kann man als Sichtflieger auch nach Russland, allerdings nur mit einem russischen Navigator an Bord. Der kostet 350 $ am Tag, + Flug 1. Klasse zum und vom Einsteigeort, + Hotel + Verpflegung. Kein Thema. Infos dazu erhält man beim Advanced Fligt Information Service in Frankfurt (Tel. 069 78 072 - 630 oder - 629)

Die preiswerte Alternative war, stattdessen nach Elblag EPEL zu fliegen, knapp unter der russischen Grenze, um von da aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Kaliningrad zu gelangen

Das Visum war sehr teuer, inklusive der notwendigen Einladung der russischen Regierung ca 150 €. Und das für einen einmaligen Besuch. Wenn man selbst eine Einladung besorgt, ist es vielleicht billiger.

Außerdem war es bei mir eilig, das hat den Preis kräftig in die Höhe gedrückt. In St. Augustin bei Bonn gibt es ein spezialisiertes Reisebüro, Merkur-Reisen, die alles für kleines Geld organisieren.

An einem Mittwoch früh (September 2003), ein stabiles Hoch war angesagt, bin ich mit meiner Kappa (www.kappa77.cz) von Bonn-Hangelar nach Dresden geflogen (ich hatte dort mittwochs ein Seminar zu halten); Landung für UL problemlos und preiswert, mit Followme und Übernachten neben schicken privaten Jets.

Am nächsten Morgen nach Eisenhüttenstadt wegen Tanken und Zoll. Der Zoll war eher lustig, auf Anforderung kamen drei Beamte im Auto, einer schaute meinen Pass an, stellte fest, dass dieser noch gültig sei. Das war alles, kein Stempel, keinerlei Eintragung. Hätte man auch sein lassen können.

Über das VOR bei Frankfurt/Oder ging es dann nach Danzig mit Flugplan. Polen schreibt bestimmte Strecken vor (VK + eine Zahl), die auch eingehalten werden müssen. Ansonsten maximale Flughöhe 600 Meter. Im Flugplan trägt man einfach die Luftstrecken und die VORs sowie den Ort des Grenzübertritts ein. Beim FIS Berlin habe ich mich abgemeldet, die haben mich nach eigenen Angaben an die Polen weitergeleitet, aber gleich gesagt, dass ich wahrscheinlich keinen Funkkontakt haben werde. So war es dann auch.

Ich bin dann brav in 2000 Fuß Höhe Zickzack nach Danzig, habe 30 Minuten vorher deren Frequenz gerastet und wurde sehr freundlich und mit sehr gut verständlichen Englisch auf den Platz geleitet. Es kamen ein paar Fragen, wie lange ich noch zum VOR und dann zum Platz brauchte. Das hätten die doch eigentlich im Radar in etwa abschätzen können.

Man muss zum An- und Abflug immer das nordwestlich gelegene VOR KRT anfliegen. Der Tower riet mir sogar, Vollgas zu fliegen, damit ich vor einer anderen Maschine landen könnte – was dann allerdings nicht klappte. Ansonsten alles kein Problem. In Danzig Zoll gemacht (Pflicht), schick und freundlich vom Militär mit Elektrowagen zum Zollbeamten gefahren und wieder zurück. Landegebühr wurde nicht erhoben, erst ab 700 Kilo MTOW. Keinerlei Kontrollen von Flugschein oder Flugzeugpapieren. Sehr erfreulich. Stimmte allerdings alles :-)

Von da aus dann der kleinen Hüpfer nach Elblag, sehr schön über die Stadt Danzig, mir wurde per Funk angeboten, zeitsparend direkt dorthin zu fliegen ohne die üblichen Flugrouten. Am Platz war ein polnischer Pilot am Funk, der keinerlei Englisch, aber sehr gut deutsch sprach. Das hatte mir der polnische FIS bereits mitgeteilt. Insgesamt eine prima Betreuung.

Der Platz ist ein holpriger langer Grasplatz, lauter sehr nette Leute, es standen dort drei riesige Antonow herum. Der Flieger kam in die Halle, der Pilot brachte mich mit seinem Auto in die Stadt ins Hotel. Es gab dort sogar eine ziemlich neue Kappa im Privatbesitz.

Nach Kaliningrad kann man mit einem Schnellboot ( nur vormittags, nur unter Deck, drei Stunden) oder dem Bus oder mit dem Zug (tagsüber mehrere Verbindungen) fahren. Ich bin Bus gefahren, sehr komfortabel, inklusive Wartezeit an der Grenze zirka drei Stunden.

Die Stadt selbst ist schrecklich, alles kaputt, riesige Löcher in den Straßen, überall Müll ohne Ende, von alten Glanz bis auf ganz wenige Ecken nichts mehr zu sehen. Trotzdem natürlich sehr interessant. Kontakt mit Piloten in Kaliningrad hatte ich keinen, auch den Flugplatz habe ich nicht gesehen.

Zurück ging es dann Montag, 30 € insgesamt für die Landung und die Halle, Sprit sehr billig, von dort zum Zoll nach Danzig (Pflicht), Duty Free, und dieselbe Strecke zurück. Wegen der Thermik und Unruhe dufte ich 3500 ft. fliegen, das zeitaufwändige Einhalten der Luftstrecken ließ sich nicht verhindern.

Insgesamt war es ein sehr schöner Flug über Polen bei bestem Wetter, Natur ohne Ende, viele Wälder und Flüsse, Seen, Dörfer, bestellte Felder, Ruhe und kein Flieger weit und breit. Ich habe es auch nicht geschafft, auf dem Hinflug Funkkontakt mit den Radarstationen zu bekommen bis auf Danzig, hörte jedoch den Funk anderer, auch deutscher Linienmaschinen. Auch zwei VORs bekam ich nicht gerastet, während auf dem Rückflug alles einwandfrei klappte. Aber da gibt es ja noch das GPS .

 

Unser Kommentar dazu: Neid fressen Seele auf. Nach Namibia war in diesem Jahr für uns leider kaum mehr Zeit für einen Lokalflug. 

Ein herzliches Dankeschön an Dr. Michael Cramer, der uns die Veröffentlichung dieses Berichtes ermöglicht hat. 

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