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Noch mal Italien (geschrieben Frühjahr 2001) |
Manchmal gehen Reisen in die Hose warum sollte es bei UL-Reisen anders sein. Natürlich war es wieder einmal ein Versuch mit Italien. Irgendwie hab ich mit dem Land immer meine liebe Not.
Wir wollten nach der langen
Winterpause zu einer Zeit, in der bei uns noch Schnee in der Luft
liegt, die ersten Flüge der Saison durchführen. Weil bella
Italia vergleichsweise nah, normalerweise halbwegs sonnig und (wie
mir immer wieder erzählt wird) überhaupt das UL-Paradies ist
fiel die Wahl auf Florenz. Zum Sprung über die Alpen wollten wir
ausnahmsweise das Auto und den Anhänger benutzen, für einen
Flug war es noch zu früh im Jahr. Nach einigen
Telefongesprächen fanden wir der Flugplatz Collina nördlich der
Stadt Florenz. Die dortigen Piloten waren über unser Absicht
hocherfreut, sogar Zimmer wollten sie für uns organisiert und
Fliegen, ja Fliegen können wir mit unseren Trikes bei ihnen
selbstredend soviel wir wollen.
Die Fahrerei war fürchterlich,
Gott sei's geklagt. Mehr als 700 km mit dem Hänger, dazu noch
der Brenner, runde 10 Stunden sind im Sonntagsverkehr dabei trotz
permanenter Geschwindigkeitsüberschreitung unvermeidbar.
Noch fürchterlicher waren die Gesichter unserer Gastgeber bei der Ankunft. Sie lassen sich treffend mit dem Satz "Jetzt kommen die wirklich" beschreiben. Nein, der Platz ist unter der Woche nicht offen. Wenn wir schnell aufbauen können wir noch einen Flug rund um den Platz machen, dann wird erst wieder am nächsten Wochenende geflogen. Wenigstens gaben uns die ansäßigen Piloten einen guten Tip. Etwa 50 km weiter, zwischen Florenz und Pisa, liegt der UL-Platz Pinguino, der hat die ganze Woche Flugbetrieb.
Also auf zu den Pinguinen.
Pinguino ist ein Traum-UL-Platz, der Platzhalter Silvio ist ein prima Typ, alles schien ideal. Wir bekamen einen Hangarplatz, gute Tips für die Hotelwahl und eine perfekte Einweisung für die dort üblichen Flugverfahren. Das Fluggelände liegt in einer Kontrollzone. Aber, so sagte uns Silvio, das macht nichts. Nein, funken dürfen wir mit der Flugsicherung auf keinen Fall oh Mama mia - wir sollten nur immer schön tief fliegen, bloß auf keinen Fall rauf gehen und ja nicht die Frequenz der Flugsicherung rasten. Na ja, andere Länder, andere Sitten und Pinguine fliegen nun einmal nicht besonders hoch.

Außerdem leben diese Vögel am
Südpol und polar war in den nächsten Tagen auch das Wetter. Es
hat immer wieder geblasen wie Hund und ein Regenschauer jagte den
anderen. Über das Telefon konnten wir uns darüber informieren,
daß in Deutschland ideales Flugwetter mit einer für die
Jahreszeit ungwöhnlichen Wärme vorlag.
Nur einmal ließen die Wetterbedingungen einen kleinen Streckenflug zu. Begierig starteten wir in Richtung Pisa. Zumindestens meine Begierde ließ sehr schnell sehr stark nach. Zwischen Florenz und Pisa gibt es nur einen vernünftigen Notlandeplatz - und das war unser Startplatz. Das Land ist völlig zugesiedelt.
Ausgerechnet beim ersten Flug der Saison über einem Gelände zu hängen, in dem die Maschine nur mit einer Baumbremse oder in einem Gewächshaus runter zu bringen ist, paßt mir gar nicht. Wer weiß, was sich der Rotax in den Zeiten von BSE und MKS den Winter über so alles eingefangen hat. Ordentlich steigen, um im Falle eines Motorausfalles wenigstens ein halbwegs vernünftiges Gelände zu erreichen, war auch nicht drin. Zwischen Florenz und Pisa gibt es nichts was nicht CTR ist und da waren wir ja - vorsichtig ausgedrückt - nicht so ganz legal. Immer schön tief fliegen hatte Silvio gemeint. Nach zehn Minuten hatte ich den Adrenalinvorrat der ganzen Flugsaison verbraucht. Als wir in der Ferne das erste mal das Mitttelmeer erahnen konnten zwang uns der nächste Schauer zur Umkehr. Ich war richtig erleichtert.
Wie die ortsansäßigen Piloten mit den fehlenden Notlandeplätzen fertig werden haben wir mangels Flugbetrieb nicht herausgefunden. Entweder fliegen die nur rund um den Flugplatz oder sie sind fürchterlich mutig oder sie sind ahnungslos. Es könnte natürlich auch sein, daß sie mutig und ahnungslos rund um den Flugplatz fliegen.

In Pisa sind wir dann, genau wie in
Florenz, mit dem Auto gelandet. Beide Städte sind wirklich
sehenswert, aber selbst im Regen heillos von Touristen
überlaufen. Wir reihten uns ergeben ein.
Die Stimmung war trotz des fliegerischen Desasters blendend, dafür sorgte schon die italienische Küche. In Ermangelung großer Flugerlebnisse gaben wir uns hemmungslos den kulinarischen Genüssen hin. Nudeln in jeder Form, Vorspeise, Primo und Secondo, dazu so manch vorzüglicher Rotwein, Italien ist selbst im Regen ein herrliches Land - wenn man nicht ausgerechnet fliegen will.
Der Wetterbericht kam per Telefon
laufend vom DWD München (hier wieder einmal ein Dankeschön an
die bayerischen Wetterfrösche, vermutlich würden sie uns auch
noch in Belutschistan ein Wetter "machen"). So gegen
Mitte der Woche war erkennbar, daß wir die Rückreise antreten
müssen, wenn wir ohne Schnee über den Brenner wollen. Die Fahrt
war die gleiche Schinderei wie bei der Hinfahrt, nur daß diesmal
ein paar viele LKW auf der Via Brennero die Groundspeed
zusätzlich drosselten.
Weil wir gerade da waren haben wir
dann noch bei der Flugleitung auf dem kleinen Flugplatz Trient
vorbeigeschaut. Ob wir dort, von Österreich kommend, mit den
ULs runtergehen könnten, wollten wir wissen.
"Nein" wurde uns gesagt, das geht nur, wenn ein
Flugplan und eine spezielle Genehmigung der ATC in Verona
vorliegt. Für diese Genehmigung ist ein ganz bestimmtes Formular
einzureichen. Leider was das Ding trotz intensiver Suche in
englischer Sprache nicht zu finden. Wenigstens in Italienisch
haben wir den Wisch bekommen. Die Übersetzung senden wir jeden,
der Interesse hat, auf Anfrage. Ich glaube nicht, daß ich das
Formular jemals brauche.
Weiß der Kuckuck warum, aber auf der restlichen Fahrt ging mir immer ein vor Jahren geführtes Telefongespräch mit der ATC Breslau (Polen) durch den Kopf. Ob ich mit meinem ENDURO auf des dortigen International Airport landen könne wollte ich damals wissen. "Can You fly?" (können Sie fliegen) war die Gegenfrage und als ich bejahte sagte der Controller nur "Then You can land in Wroclaw International" (dann können Sie in Breslau International auch landen).
Himmel noch mal, warum kann es nicht überall so einfach sein.
Zum Thema UL-Fliegen in Italien siehe auch Italien.