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Flugplanung geschrieben im Sommer 2001 |
Der Wetterbericht war - na ja, soso lala. Trotzdem trafen wir uns am Freitag Abend am Flugplatz. Der telefonisch eingeholte Flugwetterbericht klang nicht viel besser als der Bericht von Tag vorher. Im Norden Staubewölkung an den Mittelgebirgen, im Süden Staubewölkung an den Alpen und am Wochenende würde sich der ganze Dreck nach Osten verlagern. Wir hatten einen Flug in die Alpen, nach Berlin oder nach Böhmen angedacht. Das war alles nix. Es blieb uns nur der Westen. Sollten wir oder sollten wir nicht?
Am Samstag um 5 Uhr früh sah es
dann ganz bescheiden aus. Die Bewölkung im Mittelgebirge und die
Wolken an der Alpenkante hatten sich zusammengetan, über dem
Platz war eine geschlossene Decke und der Wind pfiff recht
heftig. Na ja, viel wird das nicht werden, aber solange die
Ceiling ein Fliegen zuläßt wollten wir nicht aufgeben. Tannheim liegt im Westen und ist auf jeden
Fall drin. Um 6 Uhr waren wir in der Luft.
Der Wind pfiff nicht nur heftig, sondern auch genau auf unsere Nasen. Die Groundspeed war kläglich und saukalt war es zudem. Fliegen ist doch ein blöder Sport. 3 Stunden haben wir bis Tannheim gebraucht. Dort waren wir jämmerlich durchgefroren. Wenigstens die Wolken hatten sich verzogen.
Ein paar
Stunden Sonne, ein exzellentes Frühstück bei Max, dem
Platzhalter, die drei Maschinen vollgebunkert mit Sprit und die
Welt sah wieder rosig aus. Jetzt kann es losgehen, den Morgenflug
und die bisherigen Zweifel vergessen wir einfach. Jetzt geht es
in's Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Von da
könnten wir zum Beispiel nach Norden, nach Karlsruhe oder nach
Süden zum oberen Rhein. Auch ein Abstecher nach Frankreich ist
denkbar.
Von Tannheim
über den Schwarzwald nach Bremgarten kriecht zwar noch etwas die
Kälte in die Knochen, aber der Gegenwind ist erträglich und die
Landschaft faszinierend. Schade, daß der Dunst den Blick in die
Alpen verwehrt. Trotzdem, schon dieser Streckenabschnitt
entschädigt für die Kälte am Morgen.



Bremgarten ist ein
Riesenplatz, die Flugleitung ist mustergültig, das
Flugplatzlokal sehr empfehlenswert und Superbenzin gibt es auch.
Das einzige, was uns zum völligen Glück fehlt, ist eine
möglichst attraktive weiterführende Strecke. Im Aushecken von
reizvollen Flugrouten sind wir aber wahre Weltmeister. Zum
Mittagessen gibt es daher Apfelschorle mit ICAO Stuttgart, Leber
sauer mit Bottlang und zum Kaffee einen Schuß
Flugplatztaschenbuch. Die Streckenplanung ist perfekt - entlang
dem Rhein, vorbei am Rheinfall bei Schaffhausen bis zum Bodensee
und dann nach Pfullendorf.
Mit Pfullendorf landen
wir einen Treffer. Der kleine, aber recht ansprechende Platz hat
Superbenzin und eine nette Kantine. Schlafen unter der
Tragfläche? "Ja, wenn es Euch nicht zu kalt ist,
unseretwegen gerne". Also bauen wir die Betten im Grandhotel
ENDURO auf, genießen beim Weißbier den Sonnenuntergang und
kriechen in die Schlafsäcke.



Schon vor dem
Frühstück kreist die ICAO-Karte. "Die Donau entlang?"
- "Da waren wir erst vor 14 Tagen" - "Aber nicht
an der oberen Donau" - "Stimmt".
Wir könnten auch weiter nach Norden, aber dann wird die Zeit etwas knapp. Streß darf nicht aufkommen, da sind wir uns einig. Das Nördlinger Ries wäre interessant. Auch der Rhein-Main-Donau-Kanal oder das Altmühltal locken. Zum Schluß fügt sich das Ganze wie ein Puzzle ineinander. Entlang der oberen Donau bis Ulm, ins Nördlinger Ries, dann nach Osten bis zum Altmühltal und über den Rhein-Main-Donau-Kanal zum Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg. Zu unserem Heimatflugplatz Griesau ist es von dort nur noch ein Katzensprung.



"Also weißt Du,
Flugplanung ist eine herrliche Beschäftigung, fast so schön wie
Fliegen selber. Warum war das im Theorieunterricht nur eine so
saublödes Thema?"
Das liegt wohl daran, daß in der Theorie nur eine Antwort richtig ist. In der Praxis gibt es unendlich viele Lösungen. Wer an einer vorgeplanten Strecke festklebt, der klebt früher oder später auch an einem Flugplatz. Die Sache mit dem Fahrplan klappt ja nicht einmal bei der Bundesbahn, wie soll sowas bei unserer wetterabhängigen Fliegerei glattgehen. Flexibel jede Chance zu nutzen bringt nicht nur erheblich mehr Flüge, sondern macht auch einen Heidenspaß.
Tips für Piloten (alle Angaben unverbindlich)
Gesamtstrecke Luftlinie knapp 800 km, Flugstrecke etwa 1000 km
Griesau: Grasplatz, Öffnung PPR, Avgas, Kantine Sa+So.
Tannheim: Grasplatz, Öffnung Sommer 0800-SS+30, Avgas + Superbenzin, Kantine
Bremgarten: ehemaliger Militärplatz, Betonbahn, Öffnungszeit unbekannt, Avgas + Superbenzin, Kantine
Pfullendorf: Grasplatz, Öffnung Sa + So 0900-2000 LT + PPR, Avgas, Kantine Sa+So., Avgas + Superbenzin
Nördlingen: Hartbelag, Öffnung PPR, Avgas + Superbenzin, Kantine