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| Des Forschers Traum vom Fliegen von Angelika Hoch, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 13.4.1999
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Das kleinste Forschungsflugzeug der Welt gehört dem Fraunhofer Institut für atmosphärische Umweltforschung (IFU) in Garmisch-Partenkirchen. Der etwa zwei Meter lange Mini-Flieger von Typ "Ultra Leicht" besteht aus dem Flugkörper mit knallrotem Bug, einem Passagiersitz, aus dem bei Bedarf zwei gemacht werden können, einem Motor im Heck mit Treibstofftank und dahinter angeordnetem Propeller sowie einem Drachenfluggestell, das Auftrieb gibt und zum Steuern dient. Im Cockpit, an den Seiten, unter dem Flugkörper und oben an den Flügeln sind Meßgeräte angebracht. "Wir brauchen einen flexiblen Flieger am Ort", sagt Klimaforscher Wolfgang Junkermann vom IFU. Von ihm stammte die Idee, das Kleinstflugzeug anzuschaffen, das er anschließend mit diversen Eigenentwicklungen zum Forschungsflieger aufrüstete.
Vorher seien vom IFU
größere Motorsegler eingesetzt worden, die jedoch
einschließlich des Piloten bis zu einem Jahr vor einem
Meßeinsatz geordert werden mußten.
Der neue Leichtgewichtflieger
dagegen kann jederzeit bei geeignetem
"Forschungswetter" gestartet werden ein
unschätzbarer Vorteil für den Wissenschaftler, der ihn nach
Erwerb einer Fluglizenz auch selber fliegen darf. Das so flexibel
einsetzbare Flugzeug kann im Normalfall auf jedem halbwegs ebenen
Untergrund von etwa 200 Meter Länge und 30 Meter Breite landen.
Für den Start reicht bei gutem Wind eine Rollstrecke von etwa
50nMetern. Die Maschine hat eine Reichweite von
400 Kilometern, was einer Flugdauer
von etwa 5 Stunden entspricht und ihre Höchstgeschwindigkeit
liegt bei 80 Stundenkilometern. Das "Abfluggewicht"
darf maximal 400 kg betragen. Bis zu 3600 Meter hoch ist
Junkermann schon geflogen, er könnte jedoch noch höher steigen.
Allerdings ist von einer Flughöhe ab 4000 Metern Sauerstoff
erforderlich. Für den Notfall ist in der Mitte des
Drachenflügels ein Fallschirm befestigt. "Damit kann man
schon was machen", freut sich der fliegende Forscher.
Er berichtet, daß er nach dem Kauf
des Flugzeuges zunächst spezielle Halterungen entwickelt und
konstruiert habe für die zahlreichen Meßgeräte, darunter acht
Sensoren, ein Ozonmeßgerät, ein Gerät zur Messung großer
Staubpartikel, Geräte zur vollautomatischen Entnahme von
Luftproben und digitale Kameras. Sie machen in
30-Sekunden-Intervallen Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln,
so daß die Umgebung genau dokumentiert werden kann. Zum Beispiel
liefern sie Fotos von der "Geometrie der Wolken" und
damit sehr nützliche Daten für Modellrechnungen, die später im
Labor angestellt werden. Auch die Flugroute wird mit Hilfe eines
GPS (Global Position System)-Gerätes detailliert festgehalten.
Junkermann kann während seiner Flüge exakte
"Meßprofile" erstellen, die zeigen, welche Substanzen,
wie beispielsweise Ozon oder Staubpartikel sich in welcher Höhe
befinden. Die Daten zeigen das "Strahlungsniveau" in
verschiedenen Höhen und bieten die Basis für Forschungsarbeiten
zur UVB-Strahlung, deren Stärke und Ursache.
Ein Vorteil des Mini-Fliegers sei auch das vergleichsweise geringe Tempo, sagt der Wissenschaftler. Das langsame Fliegen ermöglicht Luftproben in ganz geringen Abständen zu entnehmen - zum Beispiel aus der "Abluftfahne über Augsburg", deren Zusammensetzung er im vergangenen Jahr im Rahmen einer Forschungsarbeit gemessen habe. Für Smogmessungen sei der Miniflieger daher ideal geeignet. Durch die Möglichkeit zur differenzierten Datenerhebung trage es außerdem zur Qualitätssicherung in der Klimaforschung bei. Das kleine Forschungsflugzeug kann übrigens auch im Winter abheben: Vor einigen Wochen hat Junkermann mit Hilfe von drei am Fahrgestell befestigten Snowboards die Startfähigkeit seiner Maschine in ein Meter hohem Tiefschnee getestet - mit Erfolg.
Zusatzinformation:
Bei dem Trike handelt es sich um ein serienmäßiges ENDURO XC mit Mild-Fläche und Rotax 582. Die obigen Bilder waren nicht in der Artikel der Süddeutschen Zeitung, sie stammen von Dr. Junkermann uns sind bei Forschungsflügen aufgenommen. Das erste Bild zeigt Dr. Junkermann im Trike.