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Wir Flieger

Ins Netz gestellt am 10. März 2001

 

Als Otto Lilienthal seinen "Normalflugapparat" konstruierte glaubte er an eine unvorstellbare Fiktion. Er dachte, die Fliegerei würde die Grenzen niederreißen, die Völker verbinden und die Menschen einander näher bringen.

Dabei lag er schief. Nicht nur, dass die Militärs die Fliegerei entdeckten und dem Nachbarn vom Brandbombenteller bis zur lasergestützten Präzisionsrakete alles mögliche auf den Kopf werfen, auch die Fliegerei selbst zerlegt sich in eine Unmenge gegensätzlicher Gruppen und Grüppchen. Da gibt es die Motorsegler in Baden-Württemberg und die E-Piloten in Hamburg, die Ultraleichten in Italien (das sind ja eigentlich gar keine Flieger, denn dort ist das UL ein Sportgerät, pfui Teufel) und die Modellflieger in Slowenien (die fliegen ja auch nicht, die sitzen nicht drin, wieder pfui Teufel), die Fallschirmspringer in Südschweden (auch die fliegen nicht, die fallen nur, noch einmal pfui Teufel) und die bayerischen Oldtimer-Segelflieger. Die Reihe lässt sich Seitenweise fortsetzten und das pfui Teufel auch.

Jeder hat möglichst seinen eigenen Verband und jeder kämpft so gut er kann gegen jeden. Die jahrzehntelange Fehde zwischen DULV und DAeC ist nur eine Facette in dieser Auseinandersetzung, beide Verbände entwickelten im Laufe der Jahre ein schon fast krankhaftes Alleinvertretungs-Selbstverständnis.

Vor kurzem habe ich gehört, nur die Drachenflieger seien die wahren Vogelmenschen, denn nur sie hätten im Flug wie die Vögel den Kopf vorne. "Nein" sagen darauf die Gleitschirmpiloten, "stimmt nicht, jeder Vogel hat im Flug den A....... unten – genau wie wir". Geht es eigentlich noch dümmer?

Ja, es geht noch dümmer. Einige Flugplätze in Deutschland sind nur für aerodynamisch gesteuerte UL’s anfliegbar, Trikes werden dort nicht akzeptiert. Das ganze lässt sich ohne viel Mühe weiter ausbauen. Jesenwang ist dann nur noch für blaue Doppeldecker geöffnet, Görlitz darf ausschließlich von rothaarigen Piloten über 45 angeflogen werden und Heringsdorf ist für nur für weibliche Gastflieger in kunstflugtauglichen E-Maschinen mit Rotax-Triebwerk Freitags nach 17.00 LT betriebsbereit.

Wozu brauchen wir eigentlich die Grünen? Wir Flieger machen uns selber viel besser kaputt als die das je fertig bringen.

Eine Führungsrolle im Bruderkrieg Flieger gegen Flieger nimmt die Presse ein. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass im DHV-Info eine Information über die Segelflieger erscheint. Als einige Drachenflieger in Deutschland das Ultraleichtfliegen auf die Beine gebracht hatten wurde dies in der Fachpresse der "richtigen" Flieger völlig ignoriert, was von den Drachenfliegern kommt interessiert doch einen "richtigen" Piloten nicht. Wenn heute ein Modellflieger über den Atlantik fliegen würde – weder die Ultraleichten noch sonst eine Luftsportgruppe außerhalb der Modellbauer würde es mitbekommen.

Du glaubst das nicht? Es ist aber so. Die "Modeller" haben tatsächlich bereits vor etwa 2 Jahren mit rund 4 kg Sprit den Sprung über den Atlantik geschafft. Ich finde, das ist eine großartige Leistung. Wir haben es nur nicht gemerkt, weil wir – wie alle Luftsportler - zu wenig über den Zaun schauen. Das könnte ja unserem Vorurteil über die "Spielzeugflieger" - schaden.

Mit unserer Mailinfo und mit den Internetseiten www.schmidtler.de bieten wir seit etwa 2 Jahren so etwas ähnliches wie eine Publikation. Wir müssen uns kräftig an die eigene Nase fassen. Wir haben zwar versucht, Information über das UL-Fliegen in anderen Ländern zu bieten, andere Luftsportarten haben wir aber konsequent totgeschwiegen. Das soll sich ändern.

Natürlich interessiert es kein Schwein, wenn in Weißrussland der Präsident der Fallschirmspringer einen Orden ans Knie genagelt bekommt. Wenn ein Modellflugzeug über den Atlantik juckelt sollte uns das aber sehr interessieren. Die Elektronik in dem Gerät taugt auch dazu, einem Dreiachser einen Autopiloten zu verpassen. Mit der neuesten Entwicklung auf dem Gebiet der Starrflügler lassen sich UL's realisieren, die in eine völlig neue Dimension vorstoßen und Klappen an Hängegleiterflächen würden auch der Landegeschwindigkeit eines Trikes gut tun.

Über solche Entwicklungen werden wir auf unseren Internet-Seiten in Zukunft zusätzlich zu den bisherigen Informationen berichten. Wie immer lassen wir soweit möglich im Mail- und Faxinfo die Bilder weg, auf den Internetseiten sind die gleichen Artikel mit Bildern.

Vielleicht werden wir alle durch solche Information nicht nur ein bisschen schlauer, sondern auch toleranter gegenüber den – pfui Teufel - anderen Fliegern.

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